Was passiert beim Einrenken?

Was knackt beim Einrenken?


Eine „falsche“ Bewegung oder ein schweres Heben, schon entstehen Rückenschmerzen, die unseren Alltag stark beeinträchtigen.

Viele Patienten kommen in meine Praxis für Osteopathie in Hamburg in dem Glauben, dass ein Wirbel „draußen“ ist. In der Hoffnung, diesen wieder mit Einrenken „rein“ zu bekommen.

Aber was ist eine Blockade, wie kann diese wieder gelöst werden und was knackt da eigentlich beim einrenken?

Dies möchte ich in diesem Beitrag erklären.

Mein Wirbel ist raus! Was ist eine Blockade?

Die Vorstellung, dass ein Wirbel draußen ist, geht den meisten Menschen durch den Kopf, wenn plötzliche Rückenschmerzen entstehen.

Aber um dies vorwegzunehmen. Es ist nicht möglich, dass ein Wirbel herausspringt, genauer gesagt: Wenn dies passieren würde, wäre der oder die Betroffene querschnittsgelähmt. Durch unsere Wirbel verläuft das Rückenmark und dieses wäre bei einem Verschieben des Wirbels geschädigt.

Hundertprozentig sicher ist sich niemand, was eine Blockade ist. Die gängigste Theorie ist, dass ein Wirbel oder auch mehrere in der Beweglichkeit eingeschränkt sind. Dies kommt häufig von einer verkürzten Gelenkkapsel und/oder verspannter Muskulatur. In der Regel ist dies eine Schutzfunktion, um eventuelle Verletzungen zu vermeiden.

Einrenken, Osteopathie Hamburg

Wahrscheinlich verkürzt ein Teil der Gelenkskapsel. Was die Beweglichkeit einschränkt

Dies entsteht häufig durch

  • Plötzliche Bewegungen (Drehen, Bücken)
  • Fehlhaltungen beim Sitzen oder Schlafen
  • Überlastung (Sport, schweres Heben)
  • Stress, dadurch erhöhte Muskelspannung
  • Kälte/Zugluft (offenes Fenster beim Autofahren)

In den meisten Fällen sind solche Blockaden nicht gefährlich, können aber teilweise starke Schmerzen auslösen.

Außerdem kann es unter anderem zu:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Bewegungseinschränkungen
  • Tinnitus
  • Atemschwierigkeiten

Kommen.

Wie löst sich eine Blockade wieder? Ist ein Einrenken immer notwendig?

Das Gute ist, dass sich solche Blockaden überwiegend mit der Zeit von allein lösen. 

Früher wurde bei Rückenschmerzen zu Bettruhe geraten. Heute wird vorwiegend empfohlen, sich zu bewegen, um das Lösen der Blockade zu fördern.

Dies ist auch vornehmlich der Grund, warum Schmerzmittel sinnvoll  sein können, da durch die Reduktion der Schmerzen ein normaler Bewegungsablauf wieder ermöglicht wird und die Blockade sich lösen kann.

Nehmen Sie aber bitte keine Schmerzmittel ohne vorherige Rücksprache mit Ihrer Ärzte, ein!

Wie kann Osteopathie/Chiropraktik/ Manuelle Therapie helfen?

In manchen Fällen löst sich eine Blockade nicht von allein. Dann kann ein Besuch bei einem gut ausgebildeten Therapeuten sinnvoll sein.

Um eine Blockade zu lösen, muss nicht unbedingt eingerenkt werden. Auch ein sanftes und ungefährliches Mobilisieren der Gelenke bringt häufig Linderung.

Außerdem ist es mir in meiner Praxis für Osteopathie in Hamburg/Fuhlsbüttel wichtig,  zu überlegen, wieso überhaupt die Blockade entstanden ist. Dies kann als Prophylaxe angesehen werden, damit nicht so schnell eine neue Blockade entsteht.

 Was sind die Unterschiede zwischen Manipulieren (Einrenken) und Mobilisieren?

Die Techniken, die beim Einrenken und beim Mobilisieren verwendet werden, sind häufig verwandt. Der Therapeut/ die Therapeutin bringt das betroffene Gelenk an das Bewegungsende und versucht so, das Bewegungsausmaß zu vergrößern. 

Beim Mobilisieren wird die Position für eine Zeit gehalten oder es werden rhythmische Bewegungen durchgeführt.

Beim Einrenken wird eine schnelle, explosionsartige, aber kleine Bewegung ausgeführt. Dies führt gelegentlich zum charakteristischen Knacken.

Laut Studienlage gibt es keinen nennenswerten Vorteil zwischen dem Einrenken und dem Mobilisieren. Leider sind die Studien häufig nicht sehr aussagekräftig und es bedarf weiterer Untersuchungen, um zu klären, ob eine Methode der anderen überlegen ist.

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1356689X10000731

Was knackt beim Einrenken?

Ich habe zu Beginn erläutert, dass ein Wirbel nicht „herausspringen“ kann. Somit hat das Knackgeräusch auch nichts damit zu tun, dass sich ein Knochen bewegt.

Man ist sich mittlerweile sehr sicher, dass das Knacken nur durch ein Zusammenfallen von Gasen entsteht:

  • Gelenke enthalten Synovialflüssigkeit (Gelenkflüssigkeit)
  • Diese Flüssigkeit enthält gelöste Gase (Stickstoff, Sauerstoff, CO₂).
  • Bei einem schnellen Auseinanderziehen des Gelenkes sinkt der Druck innerhalb der Kapsel
  • Dadurch entstehen Gasblasen
  • Die dann direkt wieder zusammen fallen
  • Dies löst das typische Knacken aus


https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0119470&utm_source=chatgpt.com

Dieser Mechanismus ist nichts anderes als das, was viele beim Fingerknacken auslösen.

https://www.dak.de/dak/gesundheit/erkrankungen/fingerknacken-entspannt-und-ist-nicht-schaedlich_18164

Dies lässt sich nach einiger Zeit wieder auslösen. So muss sich natürlich gefragt werden, was das Knacken bringen soll?

Die Vorteile des Einrenkens.

Das Ziel des Einrenkens ist somit nicht, die Position des Wirbels zu verändern, sondern unser zentrales Nervensystem zu beeinflussen.

Wichtig beim Einrenken ist:

  • Hohe Beschleunigung
  • Geringe Amplitude
  • Sehr kurze Zeit

Dies beeinflusst unsere muskelinternen Sensoren (Propriozeption), die wiederum die Zentren in unserem Rückenmark beeinflussen.

Ich habe zu Beginn beschrieben, dass Blockaden häufig als Schutzfunktion dienen. Meist ist die Schutzfunktion aber gar nicht nötig.

Durch den Impuls des Einrenkens „lernt“ unser System wieder, diesen Bereich zu bewegen, und gibt in der Folge die muskuläre Schutzspannung auf.

Einrenken, Osteopathie Hamburg

Durch das Einrenken lernt unser Nervensystem sich wieder besser zu bewegen.

Es ist also nicht wichtig, dass es beim Einrenken knackt. Wichtig ist nur, das der Impuls schnell und vor allem sicher durchgeführt wird.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31105036/?utm_source=chatgpt.com

Gefahren beim Einrenken.

Viele Menschen haben Angst vor dem Einrenken. Moderne Techniken sind sehr sicher. Trotzdem ist es mir wichtig niemanden ohne Einverständnis einzurenken.

Leider berichten mir häufig Patienten, dass sie ohne Einwilligung bei Therapeuten und oder Ärzten eingerenkt wurden. Ein Einrenken wird rechtlich ähnlich wie eine Spritze gesehen.

Dies ohne Einwilligung durchzuführen ist illegal und kann strafrechtlich geahndet werden.

Weiteres zum Thema Recht: In Deutschland ist es nur Ärzten und Heilpraktikern gestattet einzurenken, andere Berufsgruppen wie etwa Physiotherapeuten ist dies nicht gestattet.

Klar gegen ein Einrenken sprechen:

  • Wirbelbruch
  • Metastasen
  • Keine Einwilligung vom Patienten

Sehr vorsichtig sollte man sein bei:

  • Bandscheibenvorfällen
  • Morbus Bechterew (auch andere Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises)
  • Krebs
  • Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose)
  • Osteoporose

Wenn keine oben genannten Diagnosen vorliegen ist es besonders in der Lenden und Brustwirbelsäule recht sicher einzurenken.

Wie Osteopathie bei einem Bandscheibenvorfall helfen kann, lesen Sie in meinem Blog.

Die Halswirbelsäule ist hier aber besonders zu betrachten. Durch unsere Halswirbel verläuft eine Arterie (A.vertebralis), die durch starke mechanische Beanspruchung verletzt werden kann. Dies kann zu einem Gerinnsel führen, welches wiederum zu einem Schlaganfall führt.

Diese Fälle treten aber sehr selten auf. Das Risiko, durch ein Einrenken einen Schlaganfall zu bekommen, ist ungefähr so hoch wie ohne Einfluss einen Schlaganfall zu bekommen.

https://www.nccih.nih.gov/research/research-results/low-risk-of-stroke-after-chiropractic-spinal-manipulation-in-older-patients-with-neck-pain-study-finds

Trotz des geringen Risikos bevorzuge ich mobilisierende Techniken bei:

  • Älteren Menschen (65 +)
  • Starken Rauchern
  • Patienten, die unter Krankheiten leiden, die die Arterien verkalken (z. B. Marfan-Syndrom)

Fazit zu dem Thema Einrenken

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kleinen Überblick über das Thema Einrenken bieten.

In manchen Fällen kann es nützlich sein, einzurenken, aber hierbei ist es nicht wichtig, dass es knackt, sondern dass der Impuls schnell und sicher durchgeführt wird.

Außerdem wird die Position des Wirbels nicht verändert, sondern wahrscheinlich unser Nervensystem beeinflusst.

Bei plötzlich auftretenden Schmerzen sollte auch immer zunächst ärztlicher Rat gesucht werden, um schlimme Erkrankungen auszuschließen!

Gerne können Sie einen Termin bei mir buchen, damit wir uns Ihrer Rückengesundheit widmen können!

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