Achillessehnenentzündung

Achillessehnenentzündung und was dagegen getan werden kann?

Die Achillessehnenentzündung ist eine der häufigsten Überlastungsschäden unseres Sprunggelenkes.

Meist beginnen die Schmerzen langsam, nehmen dann im Laufe der Zeit zu.

Bis im schlimmsten Fall die Ausübung von Sport nicht mehr möglich ist.


Aber zum Glück ist es häufig möglich diese Problematik konservativ zu verbessern.

Wie eine Achillessehnenentzündung wahrscheinlich entsteht und was man selbst dagegen tun kann, möchte ich in diesem Artikel erläutern


Unsere Achillessehne, ein wahres Wunderwerk!


Die Achillessehne ist etwa 20 bis 25 cm lang und verbindet unseren Wadenmuskel mit dem Fersenbein. Sie ist die stärkste Sehne, die wir haben und kann fast 1 Tonne vertragen.

Trotzdem kann häufige monotone, aber auch sehr schnelle unkontrollierte Bewegung diese Sehne reizen und eine Achillessehnenentzündung auslösen.

Meist geschieht dies bei Menschen mittleren Alters und besonders dann, wenn im Leben nicht durchgehend Sport betrieben wurde. 

Bestes Beispiel ist jemand der oder die in ihrer Jugend viel Sport getrieben hat, zum Beispiel Fußball. 

Auf Grund von Job und oder Kinder wird eine längere Pause vom Sport gemacht.

Dann im mittleren Alter entschließt sich der Mensch wieder seinen alten Sport aufzunehmen.


Einmal gelernte Bewegungsabläufe werden fest in unserem Kleinhirn gespeichert und können auch nach einem langen Zeitraum wieder abgerufen werden.

Die Person startet mit dem Sport, der Körper erinnert sich zwar an die Abläufe, aber die Belastung wird meist zu schnell gesteigert. 

Unsere Muskulatur kann sich in der Regel schnell anpassen, da sie gut durchblutet ist. Bei unseren Sehnen sieht das anders aus, diese brauchen längere Regenrationsphasen, um sich zu regenerieren. So sind Überlastungssymptome vorprogrammiert.

Besonders betroffen sind Sportler die in ihrer Sportart viel Laufen müssen:


  • Läufern
  • Basketball
  • Fußball

Das besondere an unserer Achillessehne ist, dass diese Energie speichern und dann wieder abgeben kann. Laut dem Faszienforscher Prof. Dr. Robert Schleip ähnelt unsere Sehne dem eines Kängurus und hat mit den Sehnen unserer Vorfahren, dem Menschenaffen, kaum noch Ähnlichkeit.

Wir Menschen sind mehr für das Laufen gemacht als für das Klettern.

Was sind die typischen Symptome?


  • Schmerzen an der Achillessehne, meist bei und oder nach Belastung
  • Einschränkung der Bewegungsfähigkeit
  • Dehnungsschmerz
  • Rötung und Schwellung

Warum entstehen dann Schmerzen?

Meist sind Läufer von Achillessehnenentzündungen betroffen auf Grund von:


  • Zu schneller Belastungssteigerung, Muskeln passen sich schneller an als Sehnen
  • Monotone Belastung, wir sind eher geschaffen auf sehr unebenen, weicheren Boden zu laufen
  • Zu wenig Erholung zwischen den Trainingseinheiten
  • Falsches Schuhwerk
  • Falsche Lauftechnik
  • Probleme der Fußstatik z.B.Plattfuß

Bei Ballsportlern spielt:


  • Schnelle Richtungswechsel
  • Traumata durch Kontakt
  • Maximale Sprungkraft

eine Rolle


Welche Faktoren spielen noch eine Rolle?:


  • Ernährung ist ein wichtiges Thema. Einfache Zucker und gesättigte Fettsäuren machen allgemein unser Gewebe poröser und damit anfälliger für Verletzungen.
  • Das selbe geschieht bei Streß
  • Rauchen
  • Auch Medikamente können Probleme in den Sehnen auslösen. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt oder Ärztin und setzen Sie nicht eigenständig Medikamente ab!


Was kann dagegen getan werden, damit die Probleme erst nicht entstehen?


Ich denke der wichtigste Auslöser für eine Achillessehnenentzündung ist eine zu schnelle Steigerung der Trainingsbelastung.


Bedeutet :

  • Insbesondere nach einer längeren Sportpause, sehr langsames Steigern der Belastung. Auch wenn die empfundene Fitness einem etwas anderes vermittelt.
  • Ausreichende Regeneration, Sehnen benötigen vor allem zu Beginn eines Trainings mindestens 1 bis 2 Tage Erholung.


Außerdem ist es wichtig sich langsam und ausführlich aufzuwärmen. Auch Dehnungen können prophylaktisch wirken.


Abwechslung ist wichtig!


Bei der klassischen Wadendehnung im Ausfallschritt empfehle ich meinen Patienten und Patientinnen den Winkel der Dehnung immer etwas zu verändern, also mal das Bein im Ausfallschritt etwas mehr nach rechts oder links abzustellen, um die Sehnenzüge etwas anders zu belasten.


Auch wichtig wenn es um Dehnungen geht, ist es sich nicht nur auf die Wade zu fokussieren.

Die bekannteste fasziale Kette geht von unseren Fußsohlen über die Rückseite unseres kompletten Körpers. In dieser Kette ist unsere Achillessehne häufig unser Schwachpunkt.


Deswegen empfehle ich die Fußsohle auszurollen mit einer kleinen Faszienrolle oder einem harten Ball ( zum Beispiel Tennisball)

Die Faszie des Fußes auszurollen, hat diverse Vorteile.

Außerdem die komplette Beinrückseite dehnen.

Hierzu ein kleines Video

Beim Laufen sollte auch die Richtung der Belastung variiert werden.


  • Stellenweise rückwärts laufen
  • Seitlich laufen
  • Hopserlauf einfügen
  • Wenn möglich im Sand oder anderen recht unebenen Untergründen laufen
  • Dies kann auch beim Aufwärmen für einen anderen Sport genutzt werden


Ein anderer Faktor ist unsere Fußstellung.

Wenn unser Sprunggelenk nach innen fällt, wird auch unsere Sehne falsch belastet, außerdem wirkt unser Fußgewölbe als Stoßdämpfer, was die Belastung auf die Sehne zusätzlich minimiert.


Hier ein Video:

Die Elastizität unserer Achillessehne erhöhen!

Wie oben kurz erwähnt, sollte unsere Sehne sehr elastisch sein. Aber durch unseren Lebensstil verliert die Achillessehne häufig die Elastizität.

„Use it or lose it „

Somit es wichtig, diese Eigenschaft auch zu trainieren.

Dies geschieht am besten mit:


  • Oben genannten Hopserlauf
  • Einfachen Sprüngen, zweibeinig oder einbeinig 
  • Seilspringen
  • Vorfußlaufstil, dies würde ich auch nur phasenweise empfehlen und nicht durchgehend

Besonders hier ist es wichtig sich sehr langsam zu steigern und nicht zu Beginn zu übertreiben, weil sonst schnell eine Überlastung stattfindet.

Was hilft bei Achillessehnenentzündung?


Als Erstes vorweg, so einschränkend und belastend Probleme mit der Achillessehne sind, verschwinden  in der Regel diese Probleme von alleine. Mir ist noch niemand begegnet, der oder die ein Leben lang Schmerzen in Achillessehne hatte.

Ein reines Dehnungsprogramm wird auch langfristig keinen Erfolg bringen, weil dieses nicht hilft, die Sehne belastbar zu machen.

Ich hoffe, mit unten gezeigten Maßnahmen wird der Heilungsprozess beschleunigt.

Phasen der Therapie


  1. Abkühlungsphase

Wenn durchgehende Schmerzen bestehen, sollte der Bereich auch geschont werden.

Schmerzmittel können unterstützen, sollten aber nicht eigenständig eingenommen werden.

Eisabreibungen erhöhen die Durchblutung im betroffenen Bereich.

Sobald die Schmerzen nachlassen, kann mit der nächsten Phase begonnen werden.


2. Isometrische Phase

Ein simpler Zehenstand über eine gewisse Zeit aktiviert die Muskulatur und dehnt die Sehne. Stelle dich hierfür für 30 bis 45 Sekunden auf deine Vorfüße. Dies sollte schmerzfrei möglich sein, besonders wichtig ist dabei zu achten, wie man sich am Folgetag fühlt. Wenn gut Belastung steigern (mehr Zeit), wenn schlecht Belastung verringern.

Dann das Ganze nur auf dem betroffenen Bein.

Die Spannung etwa 30 Sekunden halten.

Im Stehen aktivieren wir den sogenannten M. Gastrocnemius ein anderer wichtiger Muskel unserer Wade ist der M.soleus, den wir eher im Sitzen aktivieren.

Die Achillessehne sollte mit verschiedenen Übungen gestärkt werden.

Es ist wichtig, beide Muskeln in der Therapie anzusprechen.


3. Exzentrische Phase

Als Nächstes stelle dich auf beide Vorfüße und lasse dein Gewicht langsam auf dem betroffenen Fuß wieder nach unten.

Auf beiden Füßen hoch, auf dem betroffenen Fuß langsam herunter.

4. Dynamische Phase

In dieser Phase wird wieder der Zehenstand ausgeübt, aber diesmal finden die Bewegungen dynamisch statt. Achte wieder auf eine langsame Ausübung.

Um dies zu steigern, kannst du dich auf eine Stufe oder dickes Buch mit dem Vorfuß stellen. Dies erweitert das Bewegungsausmaß.

5. Sportspezifische Übungen

Beginne erst dann langsam wieder mit deinem Sport bzw. übe bestimmte Bewegungsabläufe (zum Beispiel Korbleger beim Basketball) unter kontrollierten Bedingungen.


Falls die Möglichkeit besteht, sollten alle Übungen auch mithilfe von Gewichten durchgeführt werden, aber wie gesagt mit einer langsamen Steigerung!


Ich habe von einigen Patienten und Patientinnen gehört, dass ihnen Radfahren sehr geholfen hat.


Natürlich können alle Maßnahmen, die ich oben als Prophylaxe ansprach, auch in der Akutphase durchgeführt werden. Nur die Sprünge sollten als letztes geübt werden!


Begleitende passive Maßnahmen


Kern der Therapie von einer Achillessehnenentzündung sollte immer die Stärkung der Sehne sein, aber natürlich können andere Therapieformen unterstützend einwirken.


  • Physiotherpapie, Osteopathie, um die Sehne, Muskulatur, Faszien zu lockern. Eventuelle andere Schwachstellen, wie zum Beispiel die Statik, zu finden und zu beseitigen
  • Stoßwelle
  • Schmerzmittel und Kortison?, insbesondere Kortison sollte mit großer Vorsicht angewendet werden, weil dieses viele Nebenwirkungen hat unter anderem macht es die Sehne eher noch anfälliger. Aber bei durchgehenden Schmerzen kann die Einnahme sinnvoll sein.
  • Strahlentherapie
  • Operation, bei Fersensporn. Als allerletztes Mittel.

Fersensporn? Da kann sich meine Sehne ja nicht erholen!

Dies höre ich häufig, ist aber nicht ganz richtig. 

Ähnlich wie bei einem Bandscheibenvorfall oder Arthrose, haben wahrscheinlich auch viele Menschen einen Fersensporn ohne es zu merken. Somit ist es schon möglich, Schmerzfreiheit trotz eines Fersensporns zu erreichen.

Aber es macht die Therapie ehrlich gesagt schon schwieriger, bzw. langwieriger.


Fazit zum Thema Achillessehnenentzündung

Ich hoffe, ich konnte Ihnen das Thema etwas näher bringen und kann nur nochmals sagen, dass die Schmerzen in der Achillessehne, egal was gemacht oder auch nicht gemacht wird, mit der Zeit  verschwinden.


Falls Sie noch Fragen haben, zögern Sie nicht, mich anzusprechen.

Gerne können Sie bei mir in meiner Praxis in Hamburg einen Termin buchen, um mehr über Ihre individuellen Ursachen herauszufinden.


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