Der Vagusnerv. Unser Nerv für Ruhe und Entspannung.
In meiner Praxis für Osteopathie in Hamburg kommen viele Patienten mit Schmerzzuständen, die häufig auf zu viel Stress zurückzuführen sind.
Den Stress zu reduzieren, ist in der Realität leider selten durchführbar. Das Geld muss verdient werden, die Kinder erzogen werden, die pflegebedürftigen Verwandten umsorgt werden.
Wie kann nun die Stressresistenz verbessert werden?
Eine Antwort könnte die Aktivierung unseres Vagusnervs sein.
Was ist der Vagusnerv, welche Maßnahmen kann ich selbst durchführen und wie kann Osteopathie helfen?
Das möchte ich in diesem Beitrag erläutern.
Vagusnerv. Datenautobahn unseres Körpers.
Der Vagusnerv ist unser 10. Hirnnerv. Unsere insgesamt 12 Hirnnerven entstammen unserem Hirnstamm.
Aus diesen geht der Vagusnerv zunächst nach oben in Richtung unseres Gehirns und verlässt dieses über eine Öffnung auf der Rückseite unseres Schädels. Von dort wandert der Vagusnerv über Lunge, Herz und Magen bis zum letzten Drittel unseres Dickdarms zum sogenannten Cannon-Böhm-Punkt.

Der Vagusnerv durchzieht fast unseren kompletten Rumpf.
Auf seinem Weg nach unten besitzt der Vagusnerv viele Verästelungen, daher auch sein Name „vagus“ aus dem Lateinischen für „umherschweifend“ oder auch „reisend“.
Das vegetative Nervensystem. Steuerzentrale unserer Körperfunktionen.
Der Vagusnerv ist ein wichtiger Bestandteil unseres vegetativen Nervensystems.
Dieses System reguliert unterbewusst unsere Körperfunktionen wie:
- Verdauung
- Herzfrequenz
- Atmung
- Pupillenreaktion
Es wird unterteilt in 2 Untersysteme:
- Sympathikus
- Parasympathikus
Der Parasympathikus ist wichtig für unsere Erholung. Wenn dieser aktiviert ist, kommt es zu:
- Reduzierung unserer Herzfrequenz und unseres Blutdrucks
- Verlangsamte Atmung
- Förderung der Verdauung
- Auffüllen unserer Energiespeicher
Der Sympathikus arbeitet vermehrt in Stresssituationen und bewirkt vereinfacht gesagt das Gegenteil des Parasympathikus.

Der Vagusnerv ist großer Bestandteil unseres vegetativen Nervensystems
Fight or Flight – eine lebenswichtige Reaktion.
Stress ist eigentlich keine negative Reaktion, auch wenn wir diesen meist als negativ empfinden. Stressreaktionen sind überlebenswichtig in Gefahrensituationen.
Das ausgeschüttete Adrenalin ermöglicht es uns, unseren Körper kurzzeitig zu Höchstleistungen zu bringen.
Problematisch wird es, wenn Stress ständig vorherrscht und wir ständig im Alarmmodus sind.
- Druck auf der Arbeit
- Sorge um Verwandte
- Finanzielle Sorgen
- Bildschirmzeit
Sorgen dafür, dass wir unsere Reserven nicht füllen können. Dies kann zu folgenden Symptomen führen:
- Schlafstörungen
- Erhöhter Blutdruck
- Verdauungsstörungen
- Innere Unruhe
- Gereizte Stimmung
Außerdem wird diskutiert, ob ein schlecht aktivierter Vagusnerv Entzündungen fördert.
Hierzu ein Artikel (englisch): https://www.ccjm.org/content/ccjom/76/4_suppl_2/S23.full.pdf
Wichtig! Bei plötzlich und/oder sehr stark auftretenden Symptomen suchen Sie bitte ärztlichen Rat!
Der Ausweg aus dieser Streßspirale
Wie oben geschrieben, ist es leider schwierig, die Stressfaktoren zu reduzieren. Die gute Nachricht ist, dass mit wenigen, leicht durchzuführenden Maßnahmen, der Vagusnerv aktiviert werden kann.
- Atmung
- Ruhiges Atmen, insbesondere tiefes und langes Ausatmen, aktiviert den Vagusnerv.
- Summen oder Singen: Da der Vagusnerv sehr nahe unseres Kehlkopfes verläuft, kann dieser über Vibrationen aktiviert werden.
- Gurgeln, am besten mit kaltem Wasser, hat auch Einfluss auf den Vagusnerv.
2. Kälteanwendungen
Ein kurzer Kältereiz, zum Ende des Duschens kalt abbrausen, fördert unseren Kreislauf und aktiviert den Vagusnerv
3. Leichter Ausdauersport
Ein Spaziergang im Wald, eine entspannte Radtour, eine Paddeltour auf der Alster. Wichtig ist hierbei, keinen Leistungsdruck aufzubauen, und am besten wirkt Bewegung in der Natur.
4. Soziale Kontakte
Ein positives Zusammensein, Lachen, eine Umarmung fördern Entspannung und Wohlbefinden.
5. Ätherische Öle
Speziell Lavendel als Tee oder Duftöl scheint eine positive Wirkung auf unseren Vagusnerv zu haben und damit Erholung zu fördern.
Regelmäßigkeit ist entscheidend!
Wichtig bei diesen Maßnahmen ist, dass diese möglichst regelmäßig durchgeführt werden sollten. Dabei ist die Dauer nicht so wichtig und wahrscheinlich ist eine Kombination der Maßnahmen am wirkungsvollsten.
Wie behandelt Osteopathie den Vagusnerv?
Es ist wissenschaftlich umstritten, ob ein Einfluss durch Osteopathie auf den Vagusnerv stattfindet, aber es gibt einige ermutigende Studien hierzu.
https://www.frontiersin.org/journals/neuroscience/articles/10.3389/fnins.2020.579365/full
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38763591/
Außerdem ist meine Beobachtung, dass viele Patienten nach einer Behandlung eine tiefe Müdigkeit verspüren, was für eine Aktivierung des Parasympathikus spricht.
Dadurch, dass der Vagusnerv unseren Rumpf fast komplett durchzieht, sind die Möglichkeiten, den Vagusnerv mithilfe von Osteopathie zu beeinflussen, sehr groß.
1. Behandlung des Nackens
Der Vagusnerv entspringt aus der Rückseite unseres Schädels, aus dem sogenannten Foramen jugulare. Dort zieht er an unserem Atlas vorbei. Hier liegen häufig Verspannungen vor. Eine Linderung dieser Spannung reduziert mechanischen Stress auf den Vagusnerv.
Lesen Sie hierzu meinen Artikel über unseren 1. Wirbel, den Atlas.
2. Vorderer Halsbereich
Eine weitere Engstelle des Vagusnervs liegt im vorderen Halsbereich. Durch Fehlhaltung sind häufig die Muskeln in diesem Bereich überdehnt und damit meist unter Spannung. Nach einer Mobilisierung der Brustwirbelsäule kann sich die Haltung verbessern.
3. Zwerchfell oder Diaphragma
Der Vagusnerv muss in seinem Verlauf durch unser Zwerchfell, welches auch häufig verspannt ist. Das Zwerchfell ist ein Muskel, der sich mit speziellen Techniken, dehnen lässt.
4. Allgemeiner Einfluss durch Kranio-Sakral-Therapie
Eine Behandlung des Schädelbereichs und des Kiefergelenks versucht, die Austrittsstellen der Nerven zu mobilisieren. Auch eine Behandlung des Kreuzbeines (Sakrum) aktiviert den Parasympathikus. Hier entspringen andere parasympathische Nervenfasern.

Ein wichtiges Ziel der Kraniosakralen Osteopathie, ist die Beruhigung unseres Nervensystems.
Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, das vegetative Nervensystem über osteopathische Techniken zu beeinflussen.
Weitere technische Möglichkeiten, den Vagusnerv zu aktivieren.
Aus der Behandlung von Epilepsie gibt es experimentelle Verfahren, die über elektrische Impulse den Vagusnerv stimulieren sollen. Dies ist aber ein Verfahren, das nur ärztlich durchgeführt wird und noch in der Forschungsphase ist.
Es gibt auch frei verkäufliche Geräte, die dieses Verfahren versuchen nachzuahmen. Ob diese Geräte wirkungsvoll sind, kann ich nicht beurteilen.
Fazit zum Thema Vagusnerv
Ich hoffe, ich konnte einen kurzen Einblick zum Thema Vagusnerv bieten. Dieser ist für unsere Gesundheit bedeutungsvoll und kann durch leicht durchzuführende Übungen stimuliert werden.
Buchen Sie gerne online oder per Telefon einen Termin in meiner Praxis für Osteopathie in Hamburg!
