Osteopathie : was ist das?

Auf diese eigentlich einfache Frage gibt es keine einfache Antwort. Es gibt keine klare Definition für Osteopathie. Jeder Osteopath wird Ihnen auf diese Frage eine etwas andere Antwort geben. 

Deswegen möchte ich mit diesem Beitrag meine persönliche Meinung wiedergeben, was die Heilmethode Osteopathie für mich

ausmacht.

Die Geschichte der Osteopathie und des Erfinders Andrew Taylor Still

Der Begriff Osteopathie ergibt sich aus den 2 Wörtern:

Osteo (Knochen) und der Pathos (Leiden).

Was uns auch schon zur ersten Verwirrung führt, denn wenn man ein schulmedizinisches Buch aufschlägt, findet man dort unter dem Begriff Osteopathie eine Auflistung von Knochenerkrankungen. Die Krankheit Osteoporose ist zum Beispiel eine Osteopathie.

Osteopathie beschäftigt sich aber nun mal nicht nur mit Knochen bzw. dem Bewegungsapparat, sondern versucht den Menschen in seiner Gesamtheit zu behandeln und mit seinen Schmerzen zu helfen.

Osteopathie, Wirbelsäule

Der Aufbau der Wirbelsäule spielt eine wichtige Rolle in der Osteopathie


Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die ihren Ursprung in den USA hat und von dem amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still im Jahr 1874 entwickelt wurde.

Für die Entwicklung des Verfahrens Osteopathie bediente sich Still aus vielen Heilmethoden der Alternativmedizin, was aus Sicht Stills funktionierte, integrierte Still in seine Behandlungen. Zum Beispiel gab es das Knocheneinrenken, schon lange vor der Osteopathie.

Interessanterweise wurde wiederum die Chiropraktik nach der Osteopathie erfunden. Laut osteopathischen Historikern, war der Erfinder Daniel David Palmer ein Schüler von A.T. Still.

Einer der Gründe, warum A.T. Still die Osteopathie entwickelte, war der Verlust von drei seiner Kinder, die an Meningitis starben.

Damals war die Medizin noch relativ machtlos gegenüber Infektionskrankheiten (es wurde noch mit Aderlass und Darmspülungen „behandelt“). Die eigentliche Intention von Still war es, mit Osteopathie Infektionskrankheiten nur mit Händen zu behandeln. 

Diese Behandlungen waren nicht mit allzu viel Erfolg gekrönt, aber einige Patienten schilderten eine Verbesserung im Bewegungsapparat, aber auch bei internistische Probleme, wie Sodbrennen und Menstruationsschmerzen. 

So etablierte sich Osteopathie in den USA und ist dort auch staatlich anerkannt. Dort kann man seit den 1960ern den Doctor of Osteopathy (D.O.) ablegen, welcher dem M.D. (Medical Doctor) gleich gestellt ist.

Nach Europa kam die amerikanische Behandlungsmethode Osteopathie über den Osteopathen Dr. John Martin Littlejohn. Dieser hatte etwas andere Sichtweisen als Still. Er war ein großer Verfechter, die Verspannungen und Blockaden der Patienten mit direkten Methoden zu behandeln. Er erklärte viele Funktionsstörungen eher über mechanische Erklärungsmodelle, wohin gegen Still indirekt und mit einem fluiden (flüssigkeitsbezogen) und teilweise spirituellem Erklärungsmodell seine Behandlungen durchführte.

Dies führte zu einem Streit zwischen den beiden, damit auch innerhalb der Osteopathie und erklärt auch, warum viele Osteopathen diese Heilmethode unterschiedlich anwenden.

Auch wenn es damals von Still das Ziel, war eine Alternative zur damaligen Medizin zu schaffen, möchte ich anmerken, dass es mir sehr wichtig ist zu sagen, dass eine osteopathische Behandlung immer als Ergänzung zur Schulmedizin zu sehen ist, niemals als Alternative.

Philosophie der Osteopathie

Der Kerngedanke dieser, fast ausschließlich mit den Händen durchgeführten Heilkunde, ist es beim betroffenen Patienten, die eigentliche Ursache des Problems herauszufinden und damit die Selbstheilungskräfte des Körpers zu fördern.

Diese Ursache kann teilweise in ganz anderen Bereichen des Körpers liegen, als der Schmerz.

Auch kann diese Ursache zeitlich weit zurückliegen, zum Beispiel ein Unfall als Kind oder Jugendlicher.

Die Prinzipien der Osteopathie

  1. Der menschliche Körper bildet eine Einheit. Alle Strukturen unseres sind über Faszien miteinander verbunden und können sich gegenseitig beeinflussen. Deswegen darf ein Leiden niemals isoliert betrachtet werden.
  2. Unser Organismus verfügt über starke Selbstheilungskräfte. Der Gedanke in der Osteopathie ist es, dass die osteopathische Behandlung nur dem Patienten helfen soll, seine Selbstheilungskräfte zu nutzen.
  3. Struktur und Funktion innerhalb der osteopathischen Ausbildung spielt die Anatomie (Struktur) und die Physiologie (Funktion) eine extrem wichtige Rolle. Nur mit fundierten Kenntnissen in beiden Bereichen können die Osteopathen während der Diagnose erkennen, was normal ist und was nicht. Nur so ist eine effektive Behandlung möglich.
  4. Das Gesetz der Arterie (Durchblutung) : Nur eine gut durchblutete Struktur kann gut arbeiten. Laut Still kann eine gestörte Durchblutung eine Vielzahl an Krankheiten auslösen.
Osteopathie;Arterien/Venen

Die arterielle und venöse Versorgung zu kennen, ist wichtig für eine erfolgreiche Behandlung.

Aus dieser Denkweise ergab sich das vielleicht wichtigste Zitat von Still:

Find it, fix it and leave it alone

Dies bedeutet, dass nach Still der menschliche Körper über starke Selbstheilungskräfte verfügt und es das Ziel des behandelnden Osteopathen / in ist, herauszufinden, warum der Organismus Mensch gestört ist, wenn man diese „Blockade“ in einer Behandlung gelöst hat, sollte sich das Problem auch verbessern.

Meiner Meinung nach unterliegt diese Denkweise einem großen Problem: Nämlich, dass der moderne Mensch nun mal nicht in einer natürlichen Umwelt lebt.

Die meisten von uns sitzen den Großteil des Tages, wir starren (freiwillig und unfreiwillig) auf Bildschirme und essen viele hoch verarbeitete, zuckerhaltige Lebensmittel.

Das ist der Grund für mich als Osteopath, die Ursachen für Verspannungen und Blockaden erst mit einer körperlichen Untersuchung zu finden und mit einer Behandlung zu lösen, aber auch nach Wegen zu suchen, wie die Schmerzen auch möglichst nicht mehr wiederkommen.

Die Grundpfeiler einer osteopathischen Behandlung:

Wie weiter oben schon erwähnt ist Osteopathie eine Therapie, die versucht den Körper, als ein Ganzes zu betrachten. Daraus entwickelten sich die drei Bereiche der Osteopathie:

Parietale Osteopathie

Diese Methode befasst sich hauptsächlich mit den Knochen, Gelenken und Muskeln unseres Bewegungsapparates und ist am besten mit der Manuellen Medizin oder Chiropraktik vergleichbar.

Der Osteopath oder die Osteopathin erfasst mithilfe der Hände innerhalb einer Untersuchung, ob diese Strukturen Dysfunktionen (Blockaden, Verspannungen, Bewegungseinschränkungen)vorweisen und löst diese mit einer osteopathischen Behandlung.

Die parietale Osteopathie ist auch innerhalb der Schulmedizin am meisten anerkannt, da jetzt einige Studien eine gewisse Wirksamkeit belegen.

So kann eine parietale Behandlung bei verschiedenen Problemen Hilfe bieten:

  • Schmerzen im Rücken (LWS-Syndrom)
  • Kopfschmerz/Migräne
  • Beschwerden im Schulter-Nackenbereich
  • Schmerzen bzw. Bewegungseinschränkungen in Knie und Hüfte
Osteopathie, Chiropraktik

Die amerikanische Chiropraktik und Osteopathie ähneln sich in manchen Bereichen.

Viszerale Osteopathie

Hier geht es hauptsächlich um die Behandlung von Beschwerden der inneren Organe. Auch hier findet die Diagnostik mit den Händen statt. Der geübte Osteopath kann Verspannung der Organe erspüren und versucht diese innerhalb der Behandlung zu lösen.

Typische Beschwerden für die viszerale Osteopathie sind:

  • Sodbrennen, Reizmagen bzw. Darm
  • Blasenentzündungen
  • Menstruationsbeschwerden (Schmerzen, Ausbleiben der Menstruation)

Kranio-Sakral-Therapie

Der Begriff ergibt sich aus den 2 Begriffen:

  1. Kranium (das bedeutet Schädel)
  2. Sakrum (dies ist das Kreuzbein)

Dies ist die am meisten umstrittene Therapieform der Osteopathie. Selbst unter Osteopathen gibt es Diskussionen, ob die Kranio-Sakral-Therapie einen Platz in der modernen Osteopathie haben sollte.

Hier ist die Theorie, dass die einzelnen Schädelplatten untereinander eine gewisse Beweglichkeit vorweisen. Unser zentrales Nervensystem ist von einer Flüssigkeit umgeben, dem sogenannten Liquor. Diese Flüssigkeit wird ständig auf und abgebaut. Daraus entsteht eine Art Puls. Wenn obengenannte Schädelplatten in einem Bereich eine eingeschränkte Beweglichkeit vorweisen, wird vermutet, dass der Puls gestört wird und die Selbstheilungskräfte des Körpers gestört werden.

Die Herangehensweise ist dann, die betroffenen Knochen des Schädels auseinander zu „ziehen“ und so die Beweglichkeit wieder herzustellen.

Osteopathie in Hamburg

Bei der Kranio-Sakral-Therapie wird viel am Kopf des Patienten gearbeitet.

Alles zusammen ergibt eine osteopathische Behandlung

Es spielt keine Rolle mit welchen Problemen die Patienten zum Osteopathen kommen. Es ist immer wichtig für den : die Osteopath : in alle drei Methoden innerhalb der osteopathischen Behandlung zu integrieren.

Das hängt damit zusammen, dass viele Leiden sich gegenseitig beeinflussen.

So kann ein Problem innerhalb der Organe auch Schmerzen in unserem Bewegungsapparat auslösen.

Ein Beispiel dafür ist, dass ein verkrampfter Magen Schmerzen in der linken Schulter auslösen kann. So muss der: die Osteopath: in überlegen, was die Ursache für die Beschwerden des Magens ist.

Der Magen wird über Nerven reguliert die zum einen aus dem Schädel austreten (N.vagus), dieser Bereich wird mit Kranio-Sakral-Therapie behandelt, zum anderen kommen Nerven aus der Brustwirbelsäule, diese hat häufig Blockaden und wird mit parietale Osteopathie behandelt. Zum Schluss wird der Magen selbst mit viszerale Osteopathie behandelt.

Osteopathie

Unsere Organe werden vom vegetativen Nervensystem beeinflußt.

Ich wollte Ihnen mit diesem Beispiel nur einen kleinen Einblick in den Ablauf für eine osteopathische Behandlung bieten. Nicht alle Patienten mit Beschwerden in der Schulter haben auch Magenprobleme. Außerdem ist es mir wichtig zu sagen, dass wir Osteopathen von Problemen der Organen sprechen, meinen wir in der Regel nur, dass das Organ eine hohe Spannung aufweist.

Ein spezifisches Organproblem, wie ein Ulcus des Magens sollte immer von einem Arzt bzw. Ärztin behandelt werden.

Auch die obengenannten Behandlungsbeispiele sollen nicht als Heilversprechen aufgefasst werden und sollten immer im Zweifel mithilfe der Schulmedizin abgeklärt werden.

Ausbildung eines Osteopathen

In der Regel geht die Ausbildung über 5 Jahre und umfasst um die 1350 Stunden. Dies läuft häufig berufsbegleitend ab. Die Grundvoraussetzung, um die Ausbildung in Osteopathie beginnen zu dürfen, ist es Physiotherapeut oder Arzt zu sein.

Es gibt auch einige Osteopathie Schulen, die die osteopathische Medizin in Vollzeit lehren, dort müssen die Schüler vorher keinen medizinischen Beruf gelernt haben.

In dieser Zeit lernen die angehenden Osteopathen die Beschwerden und Symptome der Patienten während der Untersuchung richtig zu deuten und vor allem zu erkennen, ob die Person Hilfe aus der Schulmedizin benötigt.

Insbesondere die Anatomie und Physiologie des Körpers nimmt einen großen Stellenwert in der Ausbildung ein und ermöglicht es Ursachen für Krankheiten besser zu erkennen.

Noch ist die Ausbildung der Osteopathie in Deutschland nicht klar reguliert.

Insbesondere im englischsprachigen Raum, aber auch in immer mehr Ländern Europas (Frankreich, Italien, Schweden...) ist der Beruf Osteopath reguliert.

Als weitere deutsche Besonderheit dürfen nur Ärzte und Heilpraktiker eine Diagnose stellen und dieses Verfahren anwenden.

Für wen ist Osteopathie geeignet?

In meiner osteopathischen Praxis behandele ich Patienten jeglichen Alters.

Von 4 Wochen alten Babys bis hin zum betagteren Patienten.

Wichtig ist nur, dass die Symptome des Patienten nicht auf verletzte Strukturen zurückzuführen sind und aus ärztlicher Sicht nichts gegen Osteopathie spricht.Ein Knochenbruch zum Beispiel lässt sich osteopathisch nicht behandeln.

Osteopathen suchen nach Funktionsstörungen (ein verspannter Muskel, verfilzte Faszien, feste Organe) und behandeln diese.

Mir ist es auch immer wichtig, dass die Patienten wieder eine alltägliche Belastung besser tolerieren können und so auch selbsständig mit Übungen aus dem Schmerzzustand herrauskommen.

Natürlich hat die Osteopathie auch Ihre Grenzen, so sollte spätestens nach der dritten osteopathischen Behandlung eine spürbare Besserung eingetreten sein. Je nach Problem können aber auch weitere Behandlungen notwendig sein.

Osteopathie ist nur eine Behandlungsmöglichkeit, von vielen. Dem einen Patienten kann ein Osteopath helfen, dem anderen nicht. Jeder Patient ist verschieden, jeder Osteopath ist verschieden.

Aber vielleicht bringt Ihnen die Osteopathie eine Verbesserung Ihrer Lebensqualität.

Wenn Sie sich über die Kosten von Osteopathie und den Ablauf einer Behandlung interessieren, habe ich diesen Beitrag geschrieben.

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